Die eigene Positionierung finden

Wir streben nach einem Leben nach eigenen Maßstäben und Vorstellungen. Idealerweise eingebettet im sozialverträglichen Umgang miteinander, doch stets unter der Prämisse der eigenen und freien Entscheidungen und vor dem Hintergrund, ein selbstbestimmtes Leben führen. Autonomie und Selbstverwirklichung sind Werte, die in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung gewonnen haben. Läuft es gut, sind wir in der Lage ein Gleichgewicht zwischen den eigenen Wünschen und Bedürfnissen und den unserer Mitmenschen auszubalancieren. Wir können die eigene Position im privaten und Arbeitskontext vor uns und anderen vertreten. Läuft es nicht so gut, fällt es uns schwer, für die eigene Positionierung einzustehen. Schlimmstenfalls haben wir gar keinen Zugang zu eigenen Wünschen und Bedürfnissen und führen ein Leben nach den Vorstellungen und Vorgaben anderer mit mehr oder weniger berechtigen Forderungen.


Überforderungsfalle

Zur eigenen Positionierung gehört mitunter, Aufträge und Angebote abzulehnen. Menschen denen es schwer fällt, „nein“ zu sagen, wissen eigentlich schon, was sie möchten und was nicht. Sie schaffen es nur nicht, dies auch gegenüber anderen zu verbalisieren und zu vertreten. Mitunter ist der eigene Selbstwert nicht stabil genug, um es auszuhalten, wenn eigene Entscheidungen oder das Ablehnen von Aufträgen nicht auf Gegenliebe stoßen. Dem ausgeprägten Bedürfnis, gemocht zu werden, ordnen sich alle anderen Bedürfnisse unter. Im beruflichen Kontext kann das bedeuten, dass die eigene Zeit- und Arbeitsplanung immer wieder von sich selbst unterlaufen wird. Sie übernehmen Aufgaben von Kollegen und können sich schlecht abgrenzen, wenn Forderungen von außen oder Vorgesetzen an sie gestellt werden. Häufig sind sie in helfenden Berufen anzutreffen und laufen immer Gefahr, sich zu überfordern. Im privaten Bereich, wo der Wunsch nach Anerkennung ebenfalls eigene Bedürfnisse überlagert, ist keine Abgrenzung gegenüber Forderungen von Freunden oder Familienmitgliedern möglich.

Nicht selten hat dies einen systemischen Ursprung, wenn mangelnde Abgrenzungsfähigkeit vorgelebt und im Familiensystem von Bezugspersonen verinnerlicht wurde. Neben einer Selbstwertarbeit kann hier im systemischen Coaching ergänzend eine Familienaufstellung Klarheit über verdeckt übernommene Verhaltensweisen oder Verstrickungen bringen.


Kopfmenschen

Kopfmenschen haben ihre Welt vermeintlich im Griff. Sie analysieren, erstellen Pro und Contra Listen, wägen alles gegeneinander ab und kommen vordergründig zu einem für sie passenden Ergebnis. Ist der Zugang zu den eigenen Gefühlen und Wünschen erschwert oder dieser Bezug gänzlich verloren gegangen, treffen Kopfmenschen im Leben auf Problemstellungen oder müssen Entscheidungen treffen, die sich analytisch nicht mehr lösen lassen. Dann entsteht der Eindruck, sich im Kreis zu drehen. Der Kopf gibt keine Ruhe mehr und sie verlieren sich in Gedankenschleifen. Sie ahnen irgendwie, dass die naheliegende Entscheidung, trotz detaillierter Analyse, nicht passend ist und können sich nicht entscheiden. Eine Psychotherapie kann hier helfen, den Zugang zu eigenen Gefühlen wieder frei zu machen, um belastbare Entscheidungen und eigene Positionierungen leben zu können, die im Einklang mit sich selbst stehen.


 

Regelmäßig biete ich Familienaufstellung am Wochenende in Berlin zu unterschiedlichen Themen an. Die Seminare finden monatlich samstags ab 10:30 Uhr bei InnenMehr in Kreuzberg statt. Wenn Sie teilnehmen möchten oder ein Anliegen haben, können Sie mich vorab via E-Mail kontaktieren – natürlich auch, wenn Sie Fragen haben zur systemischen Arbeit: mail@schuermann-solutions.de

 

Hochsensible Menschen

Für Menschen mit erhöhter Sensibilität ist es aus mehreren Gründen schwierig, die eigene Position zu finden und vor allem, sie auch zu halten. Sie nehmen grundsätzlich mehr Reize ihrer Umwelt wahr, die vom eigenen System verarbeitet werden müssen. Oft wurde ihnen in der Kindheit gespiegelt, dass sie nicht richtig sind, häufig gepaart mit Ausgrenzung und Mobbing. Ihnen wurde gespiegelt, sie seien zu empfindlich, zu kompliziert, zu auffällig, zu dies oder zu das. Durch diese Spiegelung von außen verankerte sich der Eindruck, den eigenen Gefühlen und Wahrnehmungen nicht trauen zu können. Den anderen Menschen ging es ja nicht so, also muss der Fehler bei mir liegen. Dies führt oft zu einem unzureichend ausgebildeten Selbstwert, der gepaart mit der Verankerung das Vertrauen in sich selbst und die Vertretung einer eigenen Position massiv erschwert.

Aufgrund ihrer hohen empathischen Fähigkeiten können sich Hochsensible ohne ausreichende Abgrenzungskompetenz leicht im Kontakt mit anderen verlieren. Sie sind mehr im Außen und beim anderen und spüren genau, was das Gegenüber wünscht oder braucht. Mitunter haben sie erlernt, dass sie sich mit dieser Fähigkeit, trotz der oben geschilderten ablehnenden Erfahrungen, Zuwendung und Anerkennung verdienen können. Oft zu Lasten der eigenen Bedürfnisse und notwendigen Regenerationszeiten, aufgrund der erhöhten Reizverarbeitung. In einem systemischen Coaching können diese Menschen lernen, wieder mehr Vertrauen in die eigenen Gefühle zu entwickeln, um dadurch mehr Selbstbewusstsein zu erlangen.


Traumatische Erfahrungen

Traumatische Erfahrungen können bleibende Blockaden im Leben auslösen, die das Finden oder Halten der eigenen Positionierung schwierig machen. Sind sie bekannt und verarbeitet, wie z.B. Mobbing in der Kindheit, kann es trotzdem eine Herausforderung bleiben, in oder vor Gruppen aufzutreten. Unverarbeitete Erfahrungen hingegen kosten neben der eigenen Position zusätzlich viel Energie, um Altes oder Verletzungen in Schach zu halten. Verdrängung ist in vielen Situationen, wie z.B. der Kindheit eine sinnvolle Überlebensstrategie, um mit aktuellen Traumata umzugehen. Im systemischen Coachings zeigt sich jedoch, dass im späteren Verlauf des Lebens sich die einstmals sinnvolle Strategie überholt hat und demjenigen auf die Füße fällt. Innere Blockaden machen es den Menschen schwer, sich zu zeigen und vor anderen zu behaupten. Sie wissen vom Kopf her zwar ganz genau, was ihnen gut täte oder was richtig und falsch ist, irgendetwas in ihnen ist aber stärker und sie tappen wiederholt in dieselben Fallen oder ungesunde Verhaltensmuster. Aufgrund des hohen Energieaufwandes den sie zusätzlich betreiben müssen, um Unverarbeitetes im Schach zu halten, fühlen sie sich kraftlos, müde und überfordert.

Eine Psychotherapie kann hier helfen, sich alten Verletzungen zu stellen und diese zu verarbeiten. Mit unbestimmten Gründen für Blockaden oder Verhaltensweisen kann in einer Familienaufstellung Kontakt aufgenommen werden und Klarheit über zugrunde liegende Themen und Dynamiken liefern.

Das macht den Weg frei, für ein selbstbestimmteres Leben und die Möglichkeit sich im Einklang mit eigenen Wünschen und Bedürfnissen vor anderen und im Arbeitskontext zu behaupten.