Leben Sie Ihre komplette Gefühlswelt? Wie das Verweilen im Überlebensmodus unser Leben beeinflusst

Was und wer wir sind, wird zu einem hohen Grad von unseren Gefühlen bestimmt. Ein intaktes Bauchgefühl ist in den meisten Lebenssituationen ein guter Hinweisgeber, wenn es darum geht, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wissen Sie, ob es um Ihres gut bestellt ist?

 

Falls Sie darauf spontan mit „Ja“ Antworten können, dürfen Sie sich glücklich schätzen. Noch als Kinder hatten die meisten von uns einen sehr direkten Zugang zu ihrem Bauchgefühl. Dieser ist im Laufe unserer Kindheit den meisten leider verloren gegangen. Denn von den Erwachsenen mussten wir erfahren, dass bestimmte Gefühle in unserer Gesellschaft unerwünscht sind und nicht ausgelebt werden dürfen.

 

Sind wir dann selbst erwachsen, fällt es uns schwer solche Entscheidungen zu treffen, für die ein gesundes Bauchgefühl nötig ist. Ein intaktes Bauchgefühl hat zur Voraussetzung, dass wir uns erlauben, alle unsere Gefühle vorbehaltlos anzunehmen und sie wortwörtlich „fühlen zu dürfen“.

 

Statt unseren Gefühlen aber einen angemessenen Ausdruck zu geben, neigen viele von uns aufgrund ihrer Erziehung dazu, Gefühle zu unterdrücken – insbesondere Aggression oder Wut und überhaupt alle Gefühle, die sozial unerwünscht sind.

 

 

Hinweis: Am Samstag, 11. August, veranstalte ich im ResilienzForum | Amann Consulting Berlin wieder systemische Aufstellungen in der Gruppe zum Thema Gefühle. Hier können Sie sich anmelden.

Trotz Emanzipation und Gleichberechtigung schickt es sich gerade für Männer bis heute nicht, Trauer zu empfinden oder gar auszudrücken. Doch stark sein zu wollen kann auch krank machen. Es darf sich keine Hilfe geholt werden, alles muss alleine bewältigt werden. Die Folgen lassen sich in jeder Burn-out-Klinik anschauen.

 

Verdrängte Gefühle machen sich notfalls gesundheitlich bemerkbar

 

Unerwünschte Gefühle erfolgreich zu unterdrücken, bedeutet kontinuierlich einen hohen Energieaufwand zu investieren. Diese Energie fehlt uns dafür an anderer Stelle, wo sie tatsächlich gebraucht werden würde. Der eigenen Kreativität, der persönlichen Entfaltung oder dem Verfolgen beruflicher Ziele steht diese gebundene Energie dann nicht mehr zur Verfügung.

 

Vielen Menschen zeigt sich der Energieverlust zuerst auf körperlicher Ebene. Zu den häufigsten Erkrankungen im Zusammenhang mit unterdrückten Emotionen zählen:

 

  • Chronische Magenschmerzen

  • Migräne, Kopfschmerzen

  • Burn-out

  • Vermehrte Infekte (reduzierte Immunabwehr)

  • Allergien

  • Bluthochdruck

  • Einschränkungen des Bewegungsapparates

 

Neben den verdrängten Gefühlen gibt es diejenigen, die abgespalten sind, wenn sie zum Beispiel mit traumatischen Erfahrungen im Zusammenhang stehen. Dahinter verbirgt sich ein zunächst gesunder Mechanismus: Betroffenen hilft das Abspalten schlichtweg dabei, zu überleben.

 

Gerade Kinder haben oft gar keine andere Möglichkeit, als überwältigende Gefühle in überfordernden Situationen abzuspalten und in eine Art Überlebensmodus zu wechseln.

 

Einerseits sind sie abhängig von der lebensnotwendigen Versorgung durch die Eltern, andererseits haben sie noch nicht den Entwicklungsstand erreicht, in dem ihnen Abgrenzung und kritisches Nachdenken über ihre Situation möglich wären.

 

Doch es kommt der Zeitpunkt im Leben, an dem das erwachsene Kind gut daran tut, sich die abgespaltenen Gefühle und Anteile zurück zu holen, um das Leben in all seinen Facetten erleben zu können und wieder ein vollständiger Mensch zu werden.

 

 

Das Unbewusste sucht sich ein Ventil für die nicht gelebten Gefühle

 

Bleiben wir als Erwachsene weiterhin von unseren verleugneten Gefühlen getrennt, geht das immer zu Lasten unserer Lebenszufriedenheit und unseres Wohlbefindens. Das ist extrem ungünstig, denn einen Ausdruck verschaffen sich diese Gefühle sowieso, auch ganz ohne unser Zutun.

 

Wird es ihnen verwehrt, bewusst wahrgenommen zu werden, sorgt das Unbewusste dafür, dass sie das benötigte Ventil erhalten. Dieser unbewusste Gefühlsausdruck kann uns erhebliche Nachteile und / oder psychosomatische Beschwerden einbringen. Zu diesen gehören unter anderem:

 

  • Depressive Verstimmungen

  • Gefühllosigkeit

  • Innere Unruhe

  • Essstörungen

  • Beziehungsprobleme

  • Unfähigkeit, den eigenen Platz im Leben zu finden

  • Unglückliche, wiederkehrende Beziehungsmuster

  • Probleme auf der Arbeit

 

 

Wer einen Teil seiner Gefühle über Jahre oder Jahrzehnte bekämpft, beschneidet sich (meist ohne es zu merken) zur selben Zeit im intensiven Erleben von schönen, positiven Empfindungen. Denn schränken wir unsere Gefühlswelt einseitig ein, hat das direkte Auswirkungen auch auf die erwünschten Gefühle und unsere Lebenszufriedenheit.

 

Freundschaften, Partnerschaften und Beziehungen zu Verwandten werden im Überlebensmodus als oberflächlich und „irgendwie hohl“ empfunden.

 

Glücklichsein, Freude und Fröhlichkeit können unbeschwert und in ihrer ganzen Kraft nur sein, wenn wir alle Gefühle in uns akzeptieren und leben. Denn wo es keinen Schatten gibt, kann es auch kein Licht geben. Das bedeutet nicht, jeder Aggression und jedem Wutimpuls ungehemmt nachzugeben. Vielmehr müssen wir lernen, sie als Teile dessen zu akzeptieren, was uns als Menschen ausmacht.

 

 

Wie sich abgespaltene Gefühle zurückholen lassen

 

Wer Traumatisches erlebt hat, dem fällt es oft besonders schwer, sich mit vermeintlich negativen Gefühlen bewusst auseinanderzusetzen. Solch ein Prozess sollte darum immer begleitet und behutsam durchgeführt werden, um Retraumatisierungen zu vermeiden.

 

Gibt es unbewusste Verstrickungen in der Familie, so begünstigen diese zusätzlich ein Aufrechterhalten der Verdrängung.

 

Kommt es jedoch zu einer Bewusstmachung der Abspaltung, zu einer Annahme und Integration der verdrängten Erlebnisse und der damit in Zusammenhang stehenden Gefühle, ist das für viele Menschen ein wichtiger Schritt auf dem Weg ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Heilung.

 

Eine systemische Aufstellung kann helfen, zunächst den Ursprung der abgespaltenen Gefühle zu klären: Gehören sie wirklich zu mir, oder habe ich sie in Wahrheit von einem nahen Angehörigen übernommen? Falls letzteres bejaht werden kann: Welche Bedeutung hat das für mein Leben?

 

Durch eine gezielte Bewusstmachung der abgespaltenen (oder übernommenen) Anteile wird es dann möglich, diese Anteile in das eigene Leben zu integrieren – oder sich innerlich von ihnen zu distanzieren, weil sie nicht die eigenen sind.

 

Wenn Sie bereit sind, sich Ihren unterdrückten Gefühlen zu stellen und Ihre abgespaltenen Anteile anzunehmen, profitiert Sie davon in ganz verschiedenen Lebensbereichen. Sie können sich mit all Ihren Facetten annehmen und ein lebendigeres Leben führen. Wenn Sie selbst solch eine Reise wagen möchten, stehe ich Ihnen gerne zur Seite.

 

Aufstellung am Wochenende in Berlin: Am Samstag, 11. August, veranstalte ich im ResilienzForum | Amann Consulting Berlin wieder systemische Aufstellungen in der Gruppe zum Thema Gefühle. Hier können Sie sich anmelden.

 

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